TL;DRTL;DR too long; didn't read. Wörtlich übersetzt "zu lang; nicht gelesen". Überschrift für eine kurze Zusammenfassung eines längeren Artikels oder Beitrags. (Kurzfassung)
- Icons nie ohne Text verwenden – sie sind nicht selbsterklärend.
- Klare, einfache Formen – Details weglassen, Lesbarkeit erhöhen.
- Farben nie allein verwenden – Form/Text als Ergänzung.
- Alternativtexte: Nur wenn die Info relevant ist.
- Animationen sparsam und kontrollierbar gestalten.
- Teste regelmäßig – am besten mit echten Nutzer*innen.
Barrierefreiheit ist kein Korsett – sie macht dein Design robuster, inklusiver und zukunftssicher.
Icons und Illustrationen sind ein wichtiger Bestandteil moderner Interfaces. Sie schaffen Wiedererkennung, kommunizieren schnell und oft intuitiv – wenn sie gut gestaltet sind. Für viele Nutzer*innen sind sie jedoch eine echte Hürde: Menschen mit Sehbehinderung, kognitiven Einschränkungen oder neurodivergenten Wahrnehmungsweisen können sich durch visuelle Elemente ausgeschlossen fühlen.
1. Icons sind keine Sprache
Icons funktionieren nicht universell – auch wenn es oft so wirkt. Das „Hamburger-Menü“ (☰) ist nur deshalb verständlich, weil es sich etabliert hat. Studien zeigen: Was für eine Person intuitiv ist, kann für eine andere komplett unverständlich sein. Deshalb: Icons nie ohne unterstützenden Text verwenden. Begleittext (Label) schafft Klarheit – idealerweise sichtbar, nicht nur bei Mouseover.
2. Klarheit schlägt Detailverliebtheit
Filigrane Linien, Schattierungen, verspielte Details – schlecht für die Barrierefreiheit. Warum?
- Menschen mit Sehschwächen oder kognitiven Einschränkungen brauchen klare, einfache Formen.
- Geringe Farbkontraste oder zu kleine Symbole sind für viele schlicht nicht lesbar.
- ScreenreaderScreenreader Software, die Texte am Bildschirm laut vorliest oder als Braille ausgibt.-Nutzer*innen profitieren davon, wenn Icons semantisch korrekt eingebunden sind.
Zu kleine oder eng beieinander liegende Icons sind ein No-Go für Menschen mit motorischen Einschränkungen.
- Mindestens 24×24 px, besser 44×44 px für flinke Finder und grobe Motorik.
- Großzügige Abstände vermeiden Fehleingaben.
3. Inklusive Illustrationen
- Zeige Vielfalt und unterschiedliche Lebensrealitäten.
- Kein Text im Bild, der für Screenreader nicht zugänglich ist
4. Farben? Ja – aber nie allein.
Farben können Emotionen transportieren und visuelle Hierarchie schaffen. Aber: Farben dürfen nie die einzige Informationsquelle sein.
Beispiel: Rot = Fehler, Grün = Bestätigung. Für farbenblinde Menschen sieht das eventuell gleich aus. Etwa 8 % aller Männer und 0,5 % aller Frauen weltweit sind von einer Form der Farbenblindheit (Farbsehschwäche oder Farbsehstörung) betroffen – meistens rot-grün. (WHO, 2023)
- Nutze zusätzliche Merkmale wie Formen, Icons oder Text.
- Teste deine Illustrationen mit Simulations-Tools (z. B. Color Oracle).
5. Alt-Texte & aria-labels bei Illustrationen:
Ein Icon mit Funktion (z. B. „Speichern“) muss per aria-label oder sichtbarem Text zugänglich gemacht werden.
Illustrationen?
- Wenn sie Information transportieren, brauchen sie Beschreibung (z. B. per
altoder umgebendem Text). - Wenn sie rein dekorativ sind:
alt=""oderrole="presentation".
6. Animationen mit Bedacht einsetzen
Leichte Bewegungen können helfen, Aufmerksamkeit zu lenken – aber: Menschen mit Vestibulären Störungen oder Autismus-Spektrum-Störungen empfinden Animationen oft als belastend oder sogar auslösend.
- Reduziere Bewegung auf ein Minimum.
- Reagiere auf das Betriebssystem-Setting
prefers-reduced-motion– viele Frameworks unterstützen das bereits. - Verzichte auf automatisch ablaufende Videos und Animationen oder gib zumindest eine Pause-/Stop-Möglichkeit.